“Kostensteigerungen sind eine Chance”

Eine Meinung von Lutz Lauenroth, stellv. Chefredakteur DVZ, Redakteur für Straßengüterverkehr, nat. und internat. Spedition

Gespräche mit Kunden sind für Stückgutspediteure meist unerfreulich. Entweder es geht um (mangelnde) Qualität. Oder es geht ums Geld. In den kommenden Monaten müssen viele Gespräche geführt werden, denn neben einem steigenden Aufwand, um die geforderte Qualität sicherzustellen, kommen Kostenschübe auf die Branche zu.

Da ist zum einen die Maut. Sie steigt innerhalb von sechs Monaten in zwei Schritten. Zunächst durch die Ausweitung auf alle Bundesstraßen am 1. Juli. Hier gilt es genau zu rechnen, denn trotz inzwischen vorliegender Durchschnittswerte wirkt sich dies je nach eigenem Standort, den Sendungsstrukturen und zu bedienenden Flächen höchst unterschiedlich aus. In einem zweiten Schritt werden per Anfang 2019 die Mautsätze selbst angehoben.

Darüber hinaus steigen die Dieselkosten wieder kontinuierlich. Wer einen Dieselfloater vereinbart hat, ist hier auf der sicheren Seite, aber wer noch einen All-in-Preis berechnet, wird reagieren müssen.

Dann schießen die direkten Fahrpersonalkosten angesichts des Fahrermangels unaufhörlich in die Höhe. Und die indirekten. Denn der Fahrer- und Laderaummangel treibt die Kosten für die notwendige Kapazität in der Fläche in die Höhe.

Und immer aufwendigere Disposition auf die geeigneten sauberen LKW, Umfahrungen und Staus, mittelfristig durch die Anschaffung neuer emissionsärmerer Fahrzeuge. Ganz zu schweigen von der allgemeinen Kostenentwicklung bei Immobilien, Personal und weiteren Posten.

Einen Anhaltspunkt über die Entwicklung geben vom Speditionsverband DSLV initiierte Kostenbetrachtungen. So ist die Produktion einer Stückgutsendung im zweiten Halbjahr 2017 um 7,6 Prozent teurer gewesen als ein Jahr zuvor. Hinzu kommen jetzt nach DSLV-Berechnungen allein durch den zusätzlichen Mautaufwand durchschnittlich weitere bis zu 2,6 Prozent – diese Zahlen lassen erahnen, welcher Kostensprung aufzufangen ist.

Die Kostensituation an sich, vor allem aber die Aussicht auf erneute harte Preisgespräche – kurzfristig zum Ausgleich der Bundesstraßenmaut und/oder im Herbst für die Jahresverträge – ist für viele Stückgutspediteure ein Horrorszenario. Das muss es aber nicht sein, denn diese Gespräche bieten vielleicht sogar Chancen. Im Idealfall nämlich kann mit dem Hinweis auf die notwendige Investitionsfähigkeit sogar an die unverändert unbefriedigende Marge erinnert werden.

Schließlich hat sich der Markt gedreht. Während die Mengen auf dem nationalen Stückgutmarkt langsam wachsen, hat sich das Angebot an Stückgutleistungen in den vergangenen Jahren bereinigt. In einigen Regionen haben Verlader kaum noch Auswahl an geeigneten Dienstleistern. So war im vergangenen Jahr mehrfach zu beobachten, dass die Kapazität gerade in saisonalen Spitzenzeiten nicht ausreichte, um alles wie gewünscht abzufahren.

Doch es ist an der Zeit, nicht mehr nur stupide über simple Preiserhöhungen und undifferenzierte Palettenpreise zu reden. Es muss über ganz neue, flexiblere Preisstrukturen nachgedacht werden, die Rampenabfertigungen, leicht oder schwer zu handelnde Güter und Ähnliches. Diffenzierung muss die künftige preisliche Devise sein, anstatt über einen Kamm zu scheren. Das stetige Verladerargument indes, es werde eine ganzjährig verlässliche Grundlage gebraucht, kann kein K.O.-Kriterium sein – jeder Unternehmer muss in der Lage sein, seine Kalkulationen fortlaufend anzupassen.

Grundsätzlich haben viele Verlader erkannt, dass Stückgut teurer wird, wie die letztjährige Preisrunde verdeutlicht hat. Die Spediteure sollten die anstehenden Gespräche daher selbstbewusst, konstruktiv und lösungsorientiert führen. Vielleicht hier und da auch mal mit dem Wissen, dass weniger mehr sein kann. Letztlich sind die Verlader auf funktionierende Stückgutdienstleistungen angewiesen. Nur wenn die Ware verlässlich dorthin gelangt, wo sie gebraucht wird, lässt sich mit ihr Geld verdienen. So können sich die Kostensteigerungen als Chance für die Stückgutspedition entpuppen.

Quelle: dvz.de